10 Reiseziele, von denen man 2026 lieber Abstand nimmt

Viele beliebte Reiseziele leiden zunehmend unter Overtourism. Die wachsende Zahl an Besucherinnen und Besuchern belastet nicht nur empfindliche Ökosysteme, sondern auch die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung. Obwohl Tourismus wichtige Einnahmen generiert, bringt er erhebliche Nachteile mit sich: von Umweltverschmutzung und überlasteter Infrastruktur bis hin zu steigenden Mietpreisen, Wohnraummangel und höheren Treibhausgasemissionen.
Um auf die Folgen von Overtourism aufmerksam zu machen, veröffentlicht das US‑Reisemagazin „Fodor’s“ jedes Jahr eine aktualisierte „No‑Go-List“. Diese Übersicht nennt Reiseziele, die dringend eine Pause vom Massentourismus benötigen, damit sich Natur, Infrastruktur und lokale Gemeinschaften erholen können. Die Empfehlung ist kein Boykott, sondern ein Hinweis darauf, wo der Besucherandrang inzwischen einen kritischen Punkt erreicht hat und Umwelt sowie Bevölkerung spürbar unter Druck geraten.
Das Ziel: Reisende sensibilisieren, nachhaltige Entscheidungen fördern und Orte schützen, die durch überfüllte Innenstädte, Umweltverschmutzung oder Ressourcenknappheit stark belastet sind. Denn weder Touristinnen und Touristen noch Einheimische profitieren von zerstörten Landschaften oder überlaufenen Hotspots.
Hier zeigen wir dir acht Reiseziele, die du 2026 besser meiden solltest – der Umwelt und den Menschen zuliebe.
1. Antarktis
Die Antarktis gilt als größte Eiswüste unseres Planeten und erstreckt sich über rund 14,2 Millionen Quadratkilometer – eine Landschaft, die weltweit ihresgleichen sucht. Der abgelegene Kontinent beeindruckt mit endlosen Schneeflächen, mächtigen Gletschern und einer Natur, die bis heute nahezu unberührt geblieben ist.

Für viele Reisende ist die Antarktis ein Sehnsuchtsziel, denn hier lassen sich Pinguine, Robben und Wale in freier Wildbahn beobachten – ein Erlebnis, das es nur an wenigen Orten der Erde gibt. Gleichzeitig bietet die Region eine Stille und Weite, die man in bewohnten Gebieten kaum noch findet.
Die Antarktis zählt mit ihren gigantischen Gletschern, schimmernden Eisbergen und endlosen Polarlandschaften zu den beeindruckendsten Naturwundern der Erde. Doch genau diese Einzigartigkeit macht den Kontinent zunehmend verletzlich. Zwischen 2023 und 2024 reisten laut „Fodor’s“ bereits rund 120.000 Menschen in die Region – eine Rekordzahl.
Und die Entwicklung geht weiter: Bis 2033 könnte sich die Besucherzahl sogar verdoppeln, was den Druck auf das empfindliche Ökosystem weiter erhöht. Für eine Region, die extrem sensibel auf Störungen reagiert, stellt dieser Trend eine ernsthafte Gefahr dar.
Wie das Reisemagazin „Fodor’s“ berichtet, warnt der Politikwissenschaftler Mike Gunter vom Rollins College in Florida davor, dass sich die Antarktis in den vergangenen 25 Jahren zunehmend vom ursprünglichen Ökotourismus entfernt hat. Statt behutsamer Naturerlebnisse dominiere heute immer häufiger Massentourismus – ein Trend, der das empfindliche Ökosystem der Polarregion stark unter Druck setzt.

Zwar dürfen große Kreuzfahrtriesen die Antarktis nicht ansteuern, doch kleinere Expeditionsschiffe erhalten weiterhin Zugang zu der sensiblen Polarregion. Viele dieser Anbieter sind Mitglied der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO), die sich für umweltverträgliche Reisen einsetzt und strenge Verhaltensregeln vorgibt. Allerdings kann die IAATO selbst keine Obergrenzen für Besucherzahlen festlegen, was den Schutz des fragilen Ökosystems erschwert.
Hinzu kommt ein weiterer Trend: Immer mehr Menschen erreichen die Antarktis mit privaten Yachten und kleineren Schiffen, was die Kontrolle des Tourismus zusätzlich kompliziert macht und den Druck auf die Region weiter erhöht.
Laut der Antarktis‑fürscherin Elizabeth Leane von der Universität Tasmanien übt der Kontinent bis heute eine besondere Faszination aus – er gilt für viele als „letzte echte Wildnis“ und damit als nahezu mythischer Ort.
Doch Fachleute warnen: Die Vorstellung, die Antarktis müsse man unbedingt einmal im Leben gesehen haben, ist gefährlich. Selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die dem Ökotourismus grundsätzlich positiv gegenüberstehen, betonen, dass der Kontinent auf keiner Bucketlist stehen sollte, wenn man seine empfindlichen Ökosysteme schützen möchte.
2. Barcelona, Spanien
Barcelona gehört zu den meistbesuchten Städten Europas – und genau das bringt die Metropole zunehmend an ihre Grenzen. Besonders in Vierteln wie Barri Gòtic, El Born oder rund um die Sagrada Família klagen viele Einheimische über eine kaum noch erträgliche Überfüllung. Die Mieten steigen seit Jahren, traditionelle Geschäfte verschwinden und werden durch Souvenirshops ersetzt, während Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb den Wohnungsmarkt weiter verknappen.

Zudem leidet die Stadt unter Lärm, Müll und überlasteter Infrastruktur, vor allem in den Sommermonaten. Viele Bewohnerinnen und Bewohner sprechen inzwischen von einer „Entfremdung“ ihrer eigenen Stadt – Orte, die früher zum alltäglichen Leben gehörten, fühlen sich heute wie reine Kulissen für Touristinnen und Touristen an.
3. Glacier National Park in Montana, USA – einer der spektakulärsten Nationalparks Nordamerikas
Im Norden Montanas liegt der Glacier National Park – ein Naturjuwel, das oft als „Crown of the Continent“ bezeichnet wird. Die Bezeichnung passt, denn kaum ein anderer Ort in den USA bietet eine derart spektakuläre Hochgebirgslandschaft. Dramatische Felswände, tief eingeschnittene Täler und mehr als 700 kristallklare Seen machen den Park zu einem der beeindruckendsten Reiseziele in den Rocky Mountains.
Besonders eindrucksvoll sind die letzten verbliebenen Gletscher, die an die eiszeitliche Vergangenheit des Gebiets erinnern und dem Nationalpark einst seinen Namen verliehen.

Für Naturfans, Wanderfreunde und Fotografierende zählt der Glacier National Park zu den schönsten und vielfältigsten Nationalparks Nordamerikas. Zu den größten Attraktionen des Glacier National Parks zählt seine beeindruckende Tierwelt. In den dichten Wäldern und alpinen Regionen leben Grizzlybären, Schwarzbären, Bergziegen, Wölfe, Elche und zahlreiche Vogelarten – ein Paradies für Naturbeobachtende und Wildlife-Fotografierende.
Das riesige Wandernetz von über 1.100 Kilometern führt Outdoor-Fans durch uralte Wälder, blühende Bergwiesen und über spektakuläre Hochgebirgspässe. Ein absolutes Highlight ist die berühmte Going-to-the-Sun Road, eine der schönsten Panoramastraßen der USA. Sie bietet unvergessliche Ausblicke auf die dramatische Gebirgslandschaft und zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Parks.
Der Klimawandel trifft die Gletscher im Glacier National Park besonders hart. Laut „Fodor’s“ schmelzen sie inzwischen rund doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Von einst etwa 150 Gletschern existieren heute nur noch 27 aktive Eisfelder – und selbst diese könnten bis 2030 vollständig verschwunden sein.
Das rapide Abschmelzen verändert die gesamte Region: Erwärmte Bäche und Flüsse beeinträchtigen das empfindliche Ökosystem, gefährden Fischarten und verschieben natürliche Lebensräume. Gleichzeitig nehmen Waldbrände zu, und mildere Winter begünstigen Schädlinge, die große Waldflächen zusätzlich schwächen.
4. Isola Sacra, Italien
Die Isola Sacra – die „Heilige Insel“ – ist ein rund acht Quadratkilometer großes Eiland vor den Toren Roms und gilt als Geheimtipp für Geschichts- und Kulturinteressierte. Besonders berühmt ist die Insel für ihre außergewöhnlich gut erhaltenen archäologischen Fundstätten aus der römischen Antike, darunter beeindruckende Gräberfelder und weitläufige Katakomben.
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen der Torre Niccolina, der älteste Küstenturm von Fiumicino, sowie das charmante „blaue Dorf“ (Villaggio Azzurro), das mit seinen farbenfrohen Murales und kreativer Street-Art Besucherinnen und Besucher begeistert.

Die Isola Sacra verbindet antike Geschichte, mediterranes Flair und moderne Kunst – ein spannendes Ausflugsziel abseits der typischen Rom‑Hotspots.
Die Isola Sacra liegt im Küstengebiet von Fiumicino, wo seit 2024 ein neuer Hafen für Touristen und Kreuzfahrtschiffe entsteht. Bis Ende 2026 soll die moderne Marina rund 1.000 Liegeplätze für Boote und Megayachten bieten und damit zu den größten Anlagen der Region zählen.
Das Großprojekt sorgt jedoch für Kritik: Anwohnerinnen, Anwohner und Umweltschützer warnen, dass der Ausbau die Küstenerosion verstärken und empfindliche Pflanzen- und Tierarten gefährden könnte. Zwar versprechen die Behörden laut „Fodor’s“ verschiedene Schutzmaßnahmen, doch Fachleute fordern mehr Transparenz und unabhängige Umweltkontrollen, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen.
Aktivistinnen und Aktivisten warnen zudem, dass Rom mit jährlich rund 35 Millionen Besucherinnen und Besuchern bereits an der Belastungsgrenze steht. Der neue Hafen könnte zusätzliche Tausende Kreuzfahrtgäste in die Stadt bringen – ein Zustrom, der den ohnehin starken Overtourism weiter verschärfen und die Infrastruktur zusätzlich unter Druck setzen dürfte.
5. Jungfrauregion, Schweiz
Die Jungfrauregion gehört zu den berühmtesten Alpenzielen der Schweiz und beeindruckt mit den markanten Dreitausendern Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Region bietet ideale Bedingungen für Outdoor‑Begeisterte: Panoramawanderungen rund um Wengen und Mürren, Wintersport im weitläufigen Skigebiet Grindelwald–Wengen sowie Kletterrouten an der ikonischen Eiger‑Nordwand.
Zu den größten Attraktionen zählen das weltbekannte Jungfraujoch – „Top of Europe“ – und die moderne Eiger‑Express‑Bahn, die jedes Jahr Millionen Reisende in die hochalpine Landschaft locken.

2024 zog das Jungfraujoch über eine Million Besucherinnen und Besucher an, während der Eiger‑Express laut „Fodor’s“ mehr als 2,1 Millionen Menschen transportierte. Die Folge: Die Infrastruktur der Jungfrauregion stößt zunehmend an ihre Grenzen. Parkplätze sind knapp, Straßen und Wanderwege sind überfüllt oder bereits stark abgenutzt, und zahlreiche Reisebusse blockieren regelmäßig die Bergstraßen.
Selbst die Wasserfälle von Lauterbrunnen, einst ein ruhiger Naturort, sind heute von dichten Menschenmengen umgeben. Gleichzeitig schmilzt der Aletschgletscher weiter, was die Auswirkungen des Klimawandels in der Region besonders sichtbar macht.
Der zunehmende Wohnraummangel verschärft die Situation zusätzlich, da immer mehr Wohnungen an Touristinnen und Touristen vermietet werden. Besonders problematisch sind Tagesgäste, die nur kurz für Fotos vorbeikommen: Sie zahlen keine Kurtaxe und lassen in der Region kaum Geld – abgesehen von Ausgaben bei großen Bahnbetreibern wie den Jungfrau Railways.
Diese Entwicklung sorgt in Grindelwald zunehmend für Unmut unter den Einheimischen und stellt die gesamte Jungfrauregion vor erhebliche Herausforderungen im Umgang mit Overtourism und nachhaltiger Entwicklung.
6. Kanaren, Spanien
Die Kanarischen Inseln zählen dank ihres ganzjährig milden Klimas zu den beliebtesten Urlaubszielen Europas. Die Inselgruppe begeistert mit beeindruckenden vulkanischen Landschaften, traumhaften Stränden und einem breiten Angebot an Outdoor‑Aktivitäten wie Wandern, Surfen und Tauchen. Damit bieten die Kanaren für Reisende jeden Geschmacks das passende Erlebnis.
In den vergangenen Jahren kam es auf mehreren Kanarischen Inseln – darunter besonders auf Teneriffa – immer wieder zu Protesten der lokalen Bevölkerung gegen die Folgen des zunehmenden Overtourism.

Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 reisten laut „Fodor’s“ rund sieben Millionen Menschen auf die Kanarischen Inseln. Mit dem starken Besucherandrang wächst auch der Druck auf die Infrastruktur: Der Verkehr nimmt massiv zu, Fahrtzeiten verlängern sich spürbar und viele Straßen sind dauerhaft überlastet.
Gleichzeitig verschärft die Vermietung von Wohnungen über Plattformen wie Airbnb und Booking die Lage auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Für viele – insbesondere junge Einheimische – wird es dadurch nahezu unmöglich, bezahlbaren Wohnraum zu finden oder Eigentum zu erwerben.
Zusätzlich zu diesen Herausforderungen droht in einigen Regionen Wasserknappheit, was die Folgen des Overtourism weiter verdeutlicht.
„Naturräume werden fortlaufend zerstört, was einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt zur Folge hat. Durch die massive Überbevölkerung verschwinden jene ruhigen Orte, an denen wir früher das Leben genießen konnten – echte lokale Rückzugsräume existieren kaum noch“, zitiert „Fodor’s“ einen Sprecher der Umweltorganisation Asociación Tinerfeña de Amigos de la Naturaleza (ATAN).
7. Mexiko City, Mexiko
Mexiko zählt zu den beliebtesten Reisezielen in Lateinamerika – und besonders Mexiko‑Stadt übt eine enorme Anziehungskraft auf Besucherinnen und Besucher aus. Die Hauptstadt begeistert als pulsierende Metropole, deren Geschichte von den Azteken über die spanische Kolonialzeit bis in die moderne Gegenwart reicht.
In Teotihuacán können Reisende die beeindruckenden Mond‑ und Sonnenpyramiden erklimmen, durch das historische Zentrum mit Kathedrale und Templo Mayor spazieren oder im Frida‑Kahlo‑Museum in Coyoacán tief in die mexikanische Kunst‑ und Kulturgeschichte eintauchen.
Hinzu kommen beeindruckende Märkte wie La Merced und der Mercado de Coyoacán, unzählige Streetfood‑Stände mit Tacos, Tamales und Churros sowie moderne Restaurants, die zu den besten in ganz Lateinamerika gehören.
In Mexiko‑Stadt nehmen die Spannungen zwischen Einheimischen und Touristinnen sowie Touristen spürbar zu – ein Trend, der vor allem durch die fortschreitende Gentrifizierung verstärkt wird. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem einst erschwingliche Stadtviertel durch steigende Mieten und Immobilienpreise für die lokale Bevölkerung unerschwinglich werden, sodass viele Menschen letztlich verdrängt werden.

Die Zahl der Kurzzeitvermietungen – insbesondere über Plattformen wie Airbnb – ist um 86 Prozent gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Immobilienpreise zwischen 2000 und 2018 verzehnfacht, was eine massive Wohnungskrise ausgelöst und zu einer zunehmenden kulturellen Entfremdung der lokalen Bevölkerung geführt hat.
Proteste gegen Airbnb und die rasant steigenden Mieten machen deutlich, wie groß die Unzufriedenheit vieler Einwohnerinnen und Einwohner mit den Auswirkungen des Tourismusbooms inzwischen ist.
Kritikerinnen und Kritiker betonen, dass der wachsende Tourismus die lokale Kultur und das soziale Gefüge vieler Stadtviertel zunehmend unter Druck setzt. Einige Nachbarschaften werden inzwischen sogar als „Neokolonien“ bezeichnet, weil sie durch die touristische Entwicklung ihren ursprünglichen Charakter verlieren und immer stärker von externen Einflüssen geprägt werden.
8. Mombasa, Kenia
Der Tourismus gehört zu den zentralen Wirtschaftsmotoren Kenias. Im Jahr 2024 erreichte das Land mit 2,4 Millionen internationalen Gästen einen neuen Höchststand – ein Wachstum von 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2025 strebt Kenia sogar an, die Marke von drei Millionen Besucherinnen und Besuchern zu überschreiten.

Mombasa, die historische „weiß‑blaue“ Hafenstadt am Indischen Ozean, zieht rund 70 Prozent aller Küstenurlauber an. Besonders bekannt sind die Strände von Diani Beach und Nyali Beach, die mit türkisblauem Wasser und ganzjährig warmem Klima begeistern.
Die Stadt verbindet afrikanische, arabische und europäische Einflüsse, was sich vor allem in der Altstadt zeigt – mit ihren Gewürzmärkten, verwinkelten Gassen und dem UNESCO‑Welterbe fürt Jesus.
Der Mombasa‑Marine‑Nationalpark lockt zudem mit farbenprächtigen Korallenriffen zum Schnorcheln. Gleichzeitig gilt Mombasa als perfekter Ausgangspunkt für Safaris in nahe gelegene Schutzgebiete wie Tsavo East oder Shimba Hills.
Doch inzwischen steht die Stadt vor erheblichen Herausforderungen: Laut „Fodor’s“ führt der Overtourism zu Ressourcenknappheit, Überfüllung und zunehmender Umweltverschmutzung. Vermüllte Strände und belastete Meeresgebiete setzen der Attraktivität Kenias als Reiseziel spürbar zu. Zudem hätten die Behörden den Tourismus häufig über die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung gestellt.

Außerhalb der touristischen Hotspots ist die Kriminalitätsrate laut Bericht deutlich erhöht, während die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 44 Prozent liegt. Der zunehmende Overtourism verschärfe zudem soziale Probleme wie Drogenkonsum und Sextourismus, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben, erklärt Juliet W. Muchiri, Dozentin für Tourismus und Gastgewerbe an der Presbyterian University of East Africa, gegenüber dem Reisemagazin.
9. Montmartre, Paris
Montmartre, das legendäre Künstlerviertel im Norden von Paris, begeistert mit seinen verwinkelten Gassen, gemütlichen Cafés und der strahlend weißen Basilika Sacré‑Cœur. Einst lebten hier Ikonen wie Picasso und Vincent van Gogh, die dem Viertel seinen künstlerischen Ruf verliehen.
Heute zieht Montmartre nicht nur Romantikerinnen, Romantiker und Kunstliebhaber an, die das besondere Flair, die Geschichte und den Panoramablick über Paris suchen, sondern auch zahlreiche Influencer sowie Selfie‑Jägerinnen und ‑Jäger.

Seit dem Erfolg der Netflix‑Serie „Emily in Paris“ (2020 bis heute) ist Montmartre endgültig kein Geheimtipp mehr und erlebt einen deutlichen Besucheranstieg, vor allem bei jungen Reisenden. Gleichzeitig treiben steigende Mieten und eine zunehmende Kommerzialisierung die Preise in die Höhe – und entziehen dem Viertel nach und nach einen Teil seiner ursprünglichen Authentizität.
Inzwischen verzeichnet Montmartre jedes Jahr mehr Besucherinnen und Besucher als sogar der Eiffelturm. Die Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr um 35 Prozent gestiegen, und viele Einheimische empfinden den anhaltenden Touristenandrang als „unerträglich“, weil die lokale Kultur zunehmend unter Überfüllung und Kommerzialisierung leidet.
10. Venedig, Italien
Venedig zählt zu den ikonischsten Reisezielen Europas – und genau das bringt die Lagunenstadt seit Jahren an ihre Belastungsgrenze. Besonders rund um den Markusplatz, die Rialtobrücke und entlang des Canal Grande ist die Überfüllung so stark, dass viele Venezianerinnen und Venezianer die Altstadt kaum noch für ihren Alltag nutzen können. Die Zahl der Kreuzfahrttouristen und Tagesgäste hat die Infrastruktur lange überfordert, während steigende Mieten und Ferienwohnungen die Abwanderung der lokalen Bevölkerung weiter beschleunigen.
Zudem leidet Venedig unter Müll, Lärm und der Abnutzung historischer Bausubstanz, die durch den konstanten Besucherandrang verstärkt wird. Viele Einheimische sprechen inzwischen von einer „Stadt ohne Bewohner“, weil Venedig sich immer mehr in eine Kulisse für Touristinnen und Touristen verwandelt – und immer weniger ein lebendiger Lebensraum für die Menschen, die hier eigentlich zuhause sind.

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